Spiegel Online Relaunch: Der Paradigmenwechsel?

7. September 2006 | 9:10 Von: jschweder | | Kommentare (7)

Spiegel Online Relaunch: Der Paradigmenwechsel?

Spiegel Online hat gestern einen Relaunch hinter sich gebracht und feiert die neue Seitengestaltung als Überholung von Web 2.0. Natürlich wirkt die Website durch den Blog-orientierten Aufbau nun aufgeräumter, bietet mit den Schlagworten des Tages sogar eine Tagcloud – doch die Partizipation der Nutzer fehlt mir an dieser Stelle. User-Generated Content (um einmal einen unserer modischen Hype-Begriffe zu verwenden) ist bei Spiegels anscheinend nicht erwünscht. Web 2.0 hat man damit definitiv nicht hinter sich gelassen, wie das SpOn-Chef Mathias Müller von Blumencron zum Relaunch schrieb (“Alle reden von Web 2.0 – SPIEGEL ONLINE ist schon viel weiter”).

Eher ein “We joined the big Event”-Portal, zumal die Verwendung von HTML 4.0 im Kopf und XHTML im Body-Bereich nicht gerade ein Alleinstellungsmerkmal der Web-Avantgarde ist. Kein Wunder, daß angesichts falschen Doctypes die W3C-Validierung ad-hoc immerhin 251 Fehler ausgab, aber dafür hat man netterweise auf den bisherigen Tabellendschungel im Quellcode verzichtet.

Da Nachrichten auch Bilder sind (habe ich jedenfalls im oben zitierten Beitrag gelernt), werden die wichtigsten Themen des Tages zukünftig in einer von SpiegelTV produzierten täglichen Nachrichtensendung zusammengefasst. Als Medium wurde der Flash-Player verwendet.

Warum bei SpOn nicht die Autoren, sondern die Schergen der Dokumentationsabteilung das Tagging vornehmen, bleibt mir allerdings ein Rätsel. (…) Ein neues Feature, das Sie so bisher auf keiner Nachrichtenseite finden, sind die Stichworte des Tages (ab heute Abend auf der Homepage verfügbar). Sämtliche Geschichten, die auf SPIEGEL ONLINE erscheinen, werden von der Dokumentationsabteilung des SPIEGEL zeitnah verschlagwortet. (…)

Mehr Meinungen zum SpOn-Relaunch gibt es bei Medienrauschen, Onlinejournalismus, Endl, Yamb und SpiegelKritik. Der Behindertenparkplatz hat die Barrierefreiheit der neuen Website gecheckt. Mein Fazit: Ein Schritt in die korrekte Richtung, doch kein Paradigmenwechsel und schon gar nicht der nächste Step nach Web 2.0.

7 Kommentare »

  1. “Alle reden von Web 2.0 – SPIEGEL ONLINE ist schon viel weiter” — Damit ist doch bestimmt ganz schlicht die höhere Versionsnummer (7.0) gemeint…

    Kommentar von Vitalis — 7. September 2006 @ 10:03

  2. Gestern Tchibo – heute SpOn…

    Gestern hatte die neue Tchibo Webseite Premiere und heute gibt es auch beim Spiegel neues zu bestaunen und zu begucken. Darauf aufmerksam geworden bin ich im e-Commerce-Blog. Auf den ersten Eindruck muss ich auch sagen: Schick geworden, irgendwie edel…

    Trackback von My Media Mirror — 7. September 2006 @ 14:42

  3. Naja, wollen wir mal nicht ganz so streng sein, schließlich wirft der w3c validator auch auf dieser Seite kein valides xhtml aus. Und auf meiner erst recht nicht.

    Ansonsten aber Zustimmung auf ganzer Linie.

    Kommentar von Boogie - slidetone.blog — 7. September 2006 @ 17:04

  4. Hallo,

    mir persönlich fehlt die linke Navigationsleiste. Aber viel schlimmer ist die deutlich längere Ladezeit, wenn ich das Thema wechseln möchte. Dann bleibt trotz DSL 3000 der Bilschirm für ein paar Sekunden weiss.

    Sorry, mich überzeugt das neue Layout nicht.

    Kommentar von Matthias Fickenscher — 7. September 2006 @ 22:01

  5. Ich find es nicht sehr gut.

    Das erste, das Modethema Web 2.0, die diecke Mega Blase. Die Seite funktioniert in meinem Programm nicht mehr. Unmeschnliche Zeilenabstände. Das zum Thema Barriere.

    Dann mag deren Argumentation ja okay sein. Ich find es doof, ganz links, und nur auf dem linken Drittel meines Bildschirms lesen zu müssen. In der Mitte macht mehr Spaß. Ich geh einstweilen bei der Konkurrenz lesen. Das ist entspannender.

    Die Blogger werden nicht zum Journalisten. Mir fiel über das letzte Jahr folgendes auf. Die Journalisten werden zum Blogger. Lassen sich dort inspirieren, aus welchem Thema was rauszuholen ist. Immer öfter Schreibfehler wegen mangelnder Personaldecke. Immer öfter Stories von vor halbem Jahr als neu verkauft. Und Internet-Recherche, wo nichtige Themen als das ganz große journalistische Ding herausgekehrt werden.

    Vielleicht ein Zeitpunkt, vermehrt woanders zu lesen, mit Gewohnheiten zu brechen. Web 2006.

    Kommentar von Jean-Luc — 8. September 2006 @ 08:46

  6. @ boogie: nun ist sie aber valide ;)

    cheers

    björn

    Kommentar von Björn Hornemann — 22. September 2006 @ 10:45

  7. “Web 2.0 hinter uns gelassen” – Spiegel.de wird witzig. :-D

    So einen Schwachsinn hab ich selten gelesen, die Seite ist sowas von 2003…

    Mir gefällt sie nicht, war vorher besser.

    Kommentar von zuzu — 19. August 2009 @ 17:12

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