Der Unterschied zwischen YouTube und Joost

21. Februar 2007 | 16:02 Von: jschweder | | Comments (1)

YouTube Joost Viacom

Der Erfolg von Videoportalen wie YouTube und all seinen Pendants (beispielsweise Sevenload) ist unter anderem durch die Verfügbarkeit von TV-Inhalten bedingt. Nutzer laden neben eigenproduzierten Clips vor allem Snippets aus bestimmten Sendungen oder Videoclips bei YouTube hoch. Gerade das hat die soziale Epidemie um das von Google aquirierte Portal befeuert.

Vielen etablierten Medienunternehmen ist YouTube ein Dorn im Auge, Nutzer wurden teilweise kriminalisiert wie in den besten Zeiten der P2P-Netzwerke. Beispiele? Die Löschung von Fußballclips an denen die DFL, mehr oder weniger berechtigt, die Rechte besitzt. Auch Viacom, die Muttergesellschaft der erfolgreichen Spartenkanäle MTV, Nickelodeon und Comedy Central hat über 100.000 YouTube-Videos wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen löschen lassen.

Nicht wenige Medienvertreter und Blogger sehen nun YouTube unter Druck, nachdem Viacom einen Content-Deal mit dem von den Skype-Gründern entwickelten P2P-Tool Joost abgeschlossen hat. Dieser beinhaltet die Lieferung von “voraussichtlich mehrere hundert Stunden Programm von MTV, Comedy Central, Spike und anderen Sendern”. Ich würde nicht darauf wetten, daß es dabei um die neuesten South Park-Folgen geht.

Zitat aus dem Golem-Forum:

ich finde das ganze ding irgendwie etwas langweilig… irgendwelcher konserven-content was man auch im tv in der 100. wiederholung sieht… und dann kann man nicht mal vorwärts spulen :-/

Doch kann man so unterschiedliche Konzepte wie Joost und YouTube überhaupt vergleichen? YouTube lebt von der Partizipation seiner Nutzer und ist somit deutlich weniger abhängig vom Good-Will der Medienunternehmen, als Joost. Letzteres Konzept sieht lediglich die Distribution von Fremd-Inhalten vor. Der Vorgang ist also eher als ein von Viacom aufgeblasener Testballon zu verstehen, um der digitalen Konkurrenz zu begegnen und die Hoheit über die inhalte zu behalten. Leider hakt diese Überlegung an einem entscheidenden Punkt.

Joost hat aufgrund der Konzeption einer Standalone-Software, die Download und Installation erfordert, einen Nachteil gegenüber YouTube, welches die dort gehosteten Inhalte plattformunabhänig auf einer Website anbietet. Es ist unschwer erkennbar, daß Joost niemals eine vergleichbare Reichweite erzielen kann wie YouTube. Wer wird die Barriere schon überschreiten und sich zum Videokonsum ein Extra-Tool installieren? Nun könnte man argumentieren, daß Joost für TV-Geräte mit RSS-Unterstützung interessant wäre. Doch auch Portale wie YouTube, Sevenload & Co bieten RSS-Feeds an. Kein wirklicher USP. Ein weiteres Problem: Eine Strategie, die Inhalte wieder exclusiv “wegschliesst” kann nur dann funktionieren, wenn alle TV-Networks mitziehen. Auch wenn die angekündigte Kooperation YouTubes mit CBS vorerst geplatzt ist, dürfte sich immer ein Sender finden der aus der Reihe ausschert.

Joost wird sicherlich seine Nutzerschaft finden. Ob die aber im Bereich von hunderten Millionen Nutzern pro Tag liegt ist mehr als fraglich. Die Erfahrung mit den Marktanteilen der verschiedenen Mediaplayern zeigt, daß sich der Markt meist auf eine Handvoll Lösungen konsolidiert. Erinnert sich heute noch jemand an den Real Player? Ich prophezeie ähnliches für Joost. Trotz MTV & South Park-Videos ;) Sehr zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang die Kolumne von Guardian-Kolumnist Jeff Davis.

Take Viacom. The American media giant – owner of MTV, Comedy Central, iFilm, Paramount, and much more – followed the old rules this month when it demanded that YouTube take down 100,000 clips that viewers had put up there. Mind you, Viacom was quite within its rights, for it controls the copyright to that content. And as a content creator myself, I’m no foe of copyright. It’s also clear that this is a negotiating move on Viacom’s part.

Still, it wasn’t a smart move. And here’s why: the evening before Viacom’s announcement, my teenage son and webmaster brought his laptop to the dinner table – yes, that is what life is like in the home of bloggers – and showed me a YouTube clip of his hero, Bill Gates, being interviewed by my hero, comic Jon Stewart, on Comedy Central’s faux news, The Daily Show. My son had never watched Stewart. Nor does he ever channel-surf the TV. The only – only – way he is going to discover a new show is via the internet, and the best way for him to do that is via YouTube. Yet the next day, that clip disappeared from YouTube and thus Viacom cut itself off from its future audience.

Via GigaOM

1 Kommentar »

  1. Wenn Euch das Thema interessiert, Joost, das neue p2p Fernsehen der Zukunft und ihr auch zu den Betatester dazugehören wollt, dann schaut mal hier….

    http://www.TvJoost.de
    http://www.tvjoost.de/index.php?option=com_wrapper&Itemid=49

    Kommentar by Tv Joost — 20. April 2007 @ 14:26

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