Im Editorial der letzten oder vorletzten Ausgabe des empfehlenswerten Magazins Novum hat Chefredakteurin Bettina Ulrich ein interessantes Thema aufgegriffen. Die heute im Fokus der schönen bunten Medienwelt stehenden High Potentials zwischen 20 und 40 sind demnächst raus. Sie ahnen es: Geburtenrückgang, Alterspyramide usw.. Da gilt es neue Konzepte zu entwickeln, um den Privatier von Morgen mit jenen Produkten anzusprechen, die für seine Existenz unabdingbar sind. Ein neues Label für die heißeste Zielgruppe ist ebenfalls gefunden. “Best Ager”. Aha.
Nun wage ich, folgende Frage aufzuwerfen: Definieren sich Konzepte in Print & Web ausschließlich über den Faktor “Alter des Rezipienten”? Menschen in der sogenannten zweiten Lebenshälfte sind nach meiner Information in ihren Geschmäckern und Eigenschaften ebenso heterogen wie der hier schreibende Autor in den End-Zwanzigern. Nicht jeder verbringt den Lebensabend mit Kaffeefahrten nach Helgoland. Eine “Senioren-orientierte” Werbestrategie verursacht bei mir zunächst eines: Sodbrennen. Danach folgt ziemlich schnell das Kopfschütteln.
Als ich im zarten Alter von acht Jahren “kindgerechte” Fernsehsendungen verfolgt habe, bekam ich regelmäßig Aggressionen. Als Tele 5 uns ein paar Jahre später mit zielgruppenorientierten Spots infiltrierte, konnte ich immerhin schon zappen. Warum sollte das mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel anders sein?
Ich wünsche mir keine Senioren-optimierte Werbung. Ich wünsche mir Unternehmen, die ihre Kunden ernst nehmen und nicht wie Aliens behandeln. Unabhängig davon, ob sie zwanzig oder sechzig sind. Dann funktionieren Botschaften auch ohne Latschenkiefer-Klischees und Phrasen à la “Inkontinenzslips mit Dry-Plus-Vlies, extra breitem Saugkissen, geruchsbindendem Ultra-Saugkern und Nässeindikator”.
Barbara Schöneberger als Milchbotschafterin neben Tommy Haas, oder sexy Motive, die Fleisch mit „Das Beste aus der Hüfte“ bewerben: Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA) erfreut uns immer wieder mit unverwechselbaren Kampagnen, die – wenn auch nicht unbedingt Appetit – in jedem Fall gute Laune machen.
Jetzt biegt sie mit einem neuen Clou um die Ecke: Was im Newsletter der w&v noch ganz harmlos klingt: „CMA und SevenOne Interactive entwickeln eine Werbe-Kampagne für Eier“, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als…. Mr. Egg!
Mr. Egg tourt „mit seinem Ei-Mobil über Deutschlands Straßen. Er hält an den angesagten Nachtclubs, Kinos, Discos, Beachclubs und Berufsschulen. Da erwarten Sie die leckersten Ei-Snacks.”
Was mag sich hinter den leckeren Ei-Snacks verbergen? Mit Sicherheit finden sich im Mr. Egg Rezeptfächer Delikatessen, die ansprechender ausfallen als jene der englischen Kollegen.
Aber auch wenn das gute, alte Ei im Glas nicht zwischen Bloody Meggy, Ei-Pirinha oder Eggstreme Heartbeat auftaucht: Danke, liebe CMA. Mein Tag ist dank Mr. Egg um ein Lächeln reicher.
Was auch immer Drömkök bedeuten mag (vermutlich Traumküche?), die Flash-Site von Ikea zum Thema Küche ist ein großartiges Beispiel für den sinnvollen Einsatz von Flash im Business-Bereich. Nicht ganz neu, dennoch sehr schöne Produktion, auch wenn die Ladezeit angesichts der Inhalte selbst bei einer Breitbandverbindung immens ist. Netterweise hat die ausführende Agentur hierzu ein Making-Of veröffentlicht.
Wir haben uns ja bereits als Fans des ersten von Jose Gonzalez musikalisch unterlegten Sony Bravia Spots geoutet, auf die Idee des Neuen Machwerks muss man indes erst einmal kommen. Genial. Auf in die Plattenbausiedlungen der Republik ;)
Ob Viagra, Brustvergrößerung, Verlängerung anderer Extremitäten, Bilder der entkleideten Nachbarin, das auf uns wartende Millionenerbe in Nigeria und als aktuelles Highlight die parapsychologischen Anfragen aus dem letzten Leben – die Liste der offerierten Dienstleistungen und Produkte ist immens. Die Medienkompetenz nimmt angesichts TV-Warnungen glücklicherweise auch bei Otto-Normalverbrauchern zu, somit haben die Spam-Versender dazugelernt und neben den Newslettern das Format Blog für sich entdeckt.
Schon im Oktober des vergangenen Jahres kategorisierte das Magazin “Wired” Spam-Blogs als “Geißel der Blogosphäre”. Glaubt man einer Studie der University of Maryland, sind 56 Prozent der englischsprachigen Blogs zu Spam-Zwecken eingerichtet worden. Allein der von Google betriebene Hosting-Service Blogger.com soll Ende des vergangenen Jahres rund 100.000 der sogenannten Splogs eine Plattform geliefert haben. Das Problem: Wenn eine an sich sinnvolle Form der Inhaltsdistribution, salopp formuliert, vollgemüllt wird, verliert das Medium an sich an Wert.
Doch Lösungsansätze gibt es wenige: Im Micro Persuasion Blog fordert Steve Rubel beispielsweise eine Art Wartezeit für die Anmeldung bei Diensten wie AdSense, um die Legitimität der Content-Partner zu prüfen.
Sicherlich ein guter Ansatz, der angesichts der erforderlichen personellen Kapazitäten mutmaßlich nicht durchzusetzen ist. Andererseits ist die Frage, ob der Klick auf eine Adsense-Anzeige aus einer Spam-Seite heraus den Surfer zum qualifizierten Besucher macht. Theoretisch würde ich als Werbekunde meine Adsense-Blöcke ungern auf Splogs platziert wissen, hier könnten Google & Co unter Umständen in Zugzwang geraten.
Handelsblatt-Reporter Thomas Knüwer gehört zu unseren bevorzugten Blog-Autoren, glänzen seine Beiträge in “Indiskretion Ehrensache” doch immer wieder durch brilliante Spitzen in Richtung Kollegen und Mitbewerbern der Medienbranche. Im Interview mit Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski spricht er zum Beispiel über das aufkommende 2.0-Bläschen und Analogien zum New-Economy-Wahn. Ziemlich interessant, allerdings wird der Genuss durch die verbesserungswürdige Performance von Sevenload getrübt.
Im Rechtsstreit zwischen Universal Boards und dem Heise Verlag hat das Oberlandesgericht Hamburg gestern die Berufung des Verlags zurückgewiesen. Allerdings hat das Gericht in der mündlichen Urteilsbegründung Forenbetreiber von ihrer Kontrollpflicht weitgehend entbunden. Lediglich im Falle eines Hinweises an den Forenbetreiber müsse dieser seiner Kontrollpflicht nachkommen.
Der Heise-Verlag war nach dem erstinstanzlichen Urteil in Berufung gegangen, nachdem das Landgericht Hamburg eine prinzipielle Kontrollpflicht von Forenbetreibern festgestellt hatte. Demnach wären diese auch dann haftbar, wenn sie von Rechtsverstößen keine Kenntnis haben. Auslöser war der Blockadeaufruf eines Users im Heise-Forum, nachdem über die Server von Universal Boards angeblich ein Trojaner verbreitet wurde. Zwar wurde der Aufruf nach 3 Stunden gelöscht, das Gericht stellte dennoch eine Vorab-Prüfungspflicht fest.
Insgesamt bedeutet dies eine Entlastung für die Betreiber von Internet-Foren, somit ist das Urteil in jeder Hinsicht zu begrüßen.
Für die Abmahn-Industrie bedeutet dies zudem den Verlust einer ihrer Ertragsquellen.
João Pacheco von der portugiesischen Agentur Shift Design hat mit einer Kreation für eine kommunale Entwicklungsgesellschaft den Award des diesjährigen European Design Annual gewonnen. Bestes deutsches Logo wurde eine Arbeit von ondesign aus Hamburg für die US Rice Federation, welche allerdings noch aus dem Jahr 2000 stammt. Da gab es seither doch sicherlich spannendere Kandidaten nehme ich an?
22. August 2006 | 16:03 Von: Christian Clawien | | Comments (0)
Nach dem tollen ersten Mal mit knapp 90 Teilnehmern findet nun am 18. September der 2. Bremer Web Montag statt.
Themenschwerpunkte diesmal: Blogging und Onlinemedien. Hierzu gibt es Kurzvorträge u.a. von:
Björn Hornemann & Tim Gloystein blog.fanfaktor.de: “Steilpass. Großereignisse als Multiplikator für Blog-Konzepte im WM-Jahr”
Hermann-Marcus Behrens, citybeat.de: “Ein Online-Stadtmagazin im permanenten Wandel” – Wie sich Bremen, citybeat.de und das Web in den letzten Jahren verändert haben
Roland Riethmüller, Produktmanager Online der Nordwest-Zeitung, Nightloop: “Wandelndes Selbstverständnis eines Zeitungsverlags – wie sich die Nordwest-Zeitung mit Medienkonvergenz und Partizipation den neuen Herausforderungen stellt”
Wie immer fängt der Web Montag um 19 Uhr mit dem Warm-Up an, ab 20 Uhr beginnen die Vorträge und um zehn, halb-elf ist Ladenschluss. Das kostenlose Treffen findet im Designzentrum, Am Wall 209 gegenüber dem Goethe-Theater statt. Anmelden bitte im Wiki oder bei OpenBC.
Adobe feiert das zehnjährige Jubiläum der Autorensoftware Flash. 1996 fungierte Flash noch unter dem Titel FutureSplash Animator, bis die Entwicklerfirma FutureWave von Macromedia übernommen wurde. Macromedia entwickelte die Software sukzessive weiter, Flash wurde zum führenden Programm zur Darstellung multimedialer Inhalte im Netz. Spannend wird, wie Adobe das Programm weiterentwickeln wird. Anlässlich des Jubliäums hat Adobe einer eher unspannende Microsite geschaltet. Interessanter sind da schon Aktionen wie die Wahl zur besten Flash-Website der letzten 10 Jahre. Na dann happy birthday.